Wenn ich einmal ……..

Warnung – Jenny Joseph

Wenn ich einmal eine alte Frau bin, werde ich Purpur tragen,
zusammen mit einem roten Hut, der nicht dazu passt und mir nicht gut steht
und ich werde meine Rente ausgeben für Cognac und Sommerhandschuhe und Sandalen aus Satin.
und ich werde sagen: “Für Butter haben wir kein Geld.“

Ich werde mich auf den Bürgersteig setzen, wenn ich müde bin,
und Gratisproben in den Geschäften verschlingen
und Alarmglocken läuten
und meinen Stock gegen die Zäune der öffentlichen Anlagen klappern lassen
und Schluss machen mit der Angepasstheit meiner Jugend.

Ich werde in meinen Hausschuhen in den Regen rausgehen
und Blumen pflücken, die in anderer Leute Gärten wachsen und lernen zu spucken.

Man kann dann die schrecklichsten Blusen tragen und richtig dick werden und drei Pfund Würstchen auf einmal aufessen oder eine Woche lang sich von Brot und sauren Gurken ernähren,
und Bleistifte und Kulis und Bierdeckel und anderen Kleinkram horten.

Aber jetzt müssen wir vernünftige Kleider haben, die uns trocken halten und unsere Miete zahlen und keine Schimpfwörter auf der Straße benutzen und gute Vorbilder für die Kinder sein, wir müssen Freunde zum Essen einladen und die Tageszeitung lesen.

Aber sollte ich vielleicht nicht jetzt schon ein bisschen üben, damit die Leute, die mich kennen, nicht zu schockiert und überrascht sind, wenn ich plötzlich alt bin und anfange Purpur zu tragen ??

 

 

 

Die Uhr

Zur Erinnerung an Gert

 

Johann Gabriel Seidl (1804-1875)

Ich trage, wo ich gehe,
Stets eine Uhr bei mir;
Wieviel es geschlagen habe,
Genau seh ich an ihr.

Es ist ein großer Meister,
Der künstlich ihr Werk gefügt,
Wenngleich ihr Gang nicht immer
Dem törichten Wunsche genügt.

Ich wollte, sie wäre rascher
Gegangen an manchem Tag;
Ich wollte, sie hätte manchmal
Verzögert den raschen Schlag.

In meinen Leiden und Freuden,
In Sturm und in der Ruh,
Was immer geschah im Leben,
Sie pochte den Takt dazu.

Sie schlug am Sarge des Vaters,
Sie schlug an des Freundes Bahr,
Sie schlug am Morgen der Liebe,
Sie schlug am Traualtar.

Sie schlug an der Wiege des Kindes,
Sie schlägt, will’s Gott, noch oft,
Wenn bessere Tage kommen,
Wie meine Seele es hofft.

Und ward sie auch einmal träger,
Und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog der Meister immer
Großmütig sie wieder auf.

Doch stände sie einmal stille,
Dann wär’s um sie geschehn,
Kein andrer, als der sie fügte,
Bringt die Zerstörte zum Gehn.

Dann müßt ich zum Meister wandern,
Der wohnt am Ende wohl weit,
Wohl draußen, jenseits der Erde,
Wohl dort in der Ewigkeit!

Dann gäb ich sie ihm zurücke
Mit dankbar kindlichem Flehn:
Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben,
Sie blieb von selber stehn.

 

Die Uhr  

von J. K. Gottfried Löwe (1796-1869)

Ich trage, wo ich gehe, stets eine Uhr bei mir;
Wieviel es geschlagen habe, genau seh ich an ihr.
Es ist ein großer Meister, der künstlich ihr Werk gefügt,
Wenngleich ihr Gang nicht immer dem törichten Wunsche genügt.

Ich wollte, sie wäre rascher gegangen an manchem Tag;
Ich wollte, sie hätte manchmal verzögert den raschen Schlag.
In meinen Leiden und Freuden, in Sturm und in der Ruh,
Was immer geschah im Leben, sie pochte den Takt dazu.

Sie schlug am Sarge des Vaters, sie schlug an des Freundes Bahr,
Sie schlug am Morgen der Liebe, sie schlug am Traualtar.
Sie schlug an der Wiege des Kindes, sie schlägt, will’s Gott, noch oft,
Wenn bessere Tage kommen, wie meine Seele es hofft.

Und ward sie auch einmal träger, und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog der Meister immer großmütig sie wieder auf.
Doch stände sie einmal stille, dann wär’s um sie geschehn,
Kein anderer, als der sie fügte, bringt die Zerstörte zum Gehn.

Dann müßt ich zum Meister wandern, der wohnt am Ende wohl weit,
Wohl draußen, jenseits der Erde, wohl dort in der Ewigkeit!
Dann gäb ich sie ihm zurücke mit dankbar kindlichem Flehn:
„Sieh, Herr, ich hab nichts verdorben, sie blieb von selber stehn.“

 

Von wem stammt das Gedicht jetzt wirklich??