Wenn ich einmal ……..

Warnung – Jenny Joseph

Wenn ich einmal eine alte Frau bin, werde ich Purpur tragen,
zusammen mit einem roten Hut, der nicht dazu passt und mir nicht gut steht
und ich werde meine Rente ausgeben für Cognac und Sommerhandschuhe und Sandalen aus Satin.
und ich werde sagen: “Für Butter haben wir kein Geld.“

Ich werde mich auf den Bürgersteig setzen, wenn ich müde bin,
und Gratisproben in den Geschäften verschlingen
und Alarmglocken läuten
und meinen Stock gegen die Zäune der öffentlichen Anlagen klappern lassen
und Schluss machen mit der Angepasstheit meiner Jugend.

Ich werde in meinen Hausschuhen in den Regen rausgehen
und Blumen pflücken, die in anderer Leute Gärten wachsen und lernen zu spucken.

Man kann dann die schrecklichsten Blusen tragen und richtig dick werden und drei Pfund Würstchen auf einmal aufessen oder eine Woche lang sich von Brot und sauren Gurken ernähren,
und Bleistifte und Kulis und Bierdeckel und anderen Kleinkram horten.

Aber jetzt müssen wir vernünftige Kleider haben, die uns trocken halten und unsere Miete zahlen und keine Schimpfwörter auf der Straße benutzen und gute Vorbilder für die Kinder sein, wir müssen Freunde zum Essen einladen und die Tageszeitung lesen.

Aber sollte ich vielleicht nicht jetzt schon ein bisschen üben, damit die Leute, die mich kennen, nicht zu schockiert und überrascht sind, wenn ich plötzlich alt bin und anfange Purpur zu tragen ??

 

 

 

irgendwas …..

Irgendwas, das bleibt, irgendwas, das reicht
Irgendwas, das zeigt, dass wir richtig sind
Bis wir etwas finden, was sich gut anfühlt
Was sich lohnt zu teil’n, würden gern sowas spür’n
Suchen überall, finden scheinbar nichts
Was uns halten kann, was uns das verspricht
Was wir wirklich woll’n, wonach wir alle suchen
Kriegen nie genug, denn wir woll’n immer mehr
Können uns erklär’n, wieso die Erde dreht
Schauen im Weltall nach, uns reicht nicht ein Planet
Bauen Denkmäler, wir wär’n gern für immer jung
Sammeln Fotos, aber uns fehlt die Erinnerung
Verkaufen uns für dumm und machen Geld daraus
Erfinden jedes Jahr was Neues, was die Welt nicht braucht
Denn es geht immer noch ein bisschen mehr
Auch wenn keiner mehr den Sinn erklärt

Sind auf der Suche nach irgendwas
Sind auf der Suche nach etwas mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Nur was es ist, kann keiner erklär’n

Hauptsache, ein bisschen mehr

Irgendwer, der bleibt, irgendwer, der zeigt
Dass er scheinbar weiß, wer wir wirklich sind
Wenn wir ihn dann finden, können wir nicht bleiben
Wollen uns nicht binden, weil wir dann vielleicht
Etwas verpassen könn’n, was irgendwo noch ist
Was wir sonst vermissen, weil es nicht uns gehört
Hinterlassen Abdrücke wie auf frischem Teer
Die nächste Generation kommt nicht mehr hinterher
Immer noch höher, wir müssen immer noch weiter
Wir werden immer noch schneller, denn uns läuft langsam die Zeit ab
Wir brauchen mehr, mehr, wissen nicht mehr, wer
Wir wirklich sind, verlieren die Ehrfurcht
Vor so viel Ding’n, wir haben verlernt
Wie man etwas teilt, obwohl wir alle so entstanden sind
Es geht immer noch ein bisschen mehr
Auch wenn keiner mehr den Sinn erklärt

Sind auf der Suche nach irgendwas
Sind auf der Suche nach etwas mehr
Sind auf der Suche nach irgendwas
Nur was es ist, kann keiner erklär’n
Hauptsache, ein bisschen mehr

Yvonne Catterfeld